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Infos zu Günther Bloch

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 "Ins Licht gesetzt" - Bericht im IKZ

Günther Bloch

Beleuchtet von Thomas Reunert (Text) und Josef Wronski (Foto)

Da ist sich Günther Bloch ganz sicher: "Wölfe zeigen sich dem Menschen nur, wenn sie ihm etwas sagen möchten!" So wie damals 1987 in Kanada. Da stand der Kölner plötzlich am Rand einer Dickung vor einem Timberwolf. "Es war schwarzer Timberwolf mit goldenen Augen. Schreiben Sie das auf, das ich wichtig!"

Von diesem Moment an haben sie ihn dann nämlich nicht mehr losgelassen, die Wölfe, vor allem die schwarzen mit den goldenen Augen. Auch wenn sie ihn wahrscheinlich vorher auch schon fasziniert haben. Wie aber irgendwie alle Tiere. Denn - und dieses Urteil sei schon recht früh erlaubt - dieser Günther Bloch ist, wenn es um die Natur und die Tiere geht ein im positiven Sinn ziemlich Wahnsinniger. Oder vielleicht etwas milder gesprochen: ein Aktivist für eine gute Sache. Und die heißt für ihn ohne Wenn und Aber nun einmal: Tiere. Aber weil "Tiere" allgemein vielleicht ein zu großes Feld wäre, hat er sich eben die Wölfe und ihre domestizierten Verwandten, die Hunde, für die Forschung ausgesucht.

Jetzt sitzt er also da im Redaktionsstuhl. Die ersten Gesprächs-Minuten laufen etwas vorsichtig ab. Dieser Günther Bloch hat irgendwas schwer zu Beschreibendes, etwas, das bereits jetzt an einen Wolf erinnert. In seinem Blick und in seiner Körperhaltung ist etwas Lauerndes, Abwartendes. Lieber noch mal nachfassen nach dem Sinn der Frage, lieber eine Antwort noch mal erklären, damit der Gegenüber sie nicht in den falschen Hals bekommt. Vorsicht ist schließlich auch bei den Wölfen die Mutter der Wurfkiste.

Die Stimme ist rau und kräftig. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich diesen Mann in den Wäldern Kanadas vorzustellen. Wie er dort eine Symbiose mit der Natur und ihren tierischen Bewohnern eingeht. Wie er Teil wird dieser Gesellschaft, von der er unbedingt wissen möchte, wie und warum sie funktioniert. Später im Gespräch erzählt er völlig beiläufig, wie er und seine Frau Abenteuer mit aggressiven Pumas zu überstehen hatten. Und das kommt selbstverständlicher rüber als manch eine Geschichte von Menschen, die nachts ihr Schlafzimmer von Mücken befreit haben.

Günther Bloch wird 1953 in Köln geboren. "Meine Eltern waren auch schon Tier-Freaks," sagt er und berichtet von seiner Jugend auf dem Bauernhof der Großeltern. "Da gehörten Tiere natürlich zum täglichen Leben, aber da wurde auch kein großes Theater drum gemacht." So war auch der Hofhund, ein Deutscher Großspitz, festes Mitglied der Familie. "Der durfte damals schon auf dem Beifahrersitz vom Trecker fahren, und er schlief auch auf dem Sofa." Dieses selbstverständliche Zusammenleben hat den Jungen mit Sicherheit geprägt. "Wenn der mich mal beim Spielen oder sonstwie erwischt hatte, machte meine Oma überhaupt nix. Sie sagte bloß, dann sollte ich eben beim nächsten Mal besser aufpassen. Und wir bekamen nochmal eingetrichtert, was man bei einem Hund tun und besser lassen soll. Fertig war der Kram." Man merkt Bloch in diesem Moment deutlich an, was er davon hält, wenn der gemeine Deutsche versucht, durch pädagogische Grundüberlegungen das Verhältnis Kind-Hund bis ins letzte Detail zu regeln und zu organisieren.

Das Verhältnis Tier-Bloch war eigentlich von Anfang an klar und übersichtlich. Wenn er nicht auf Omas Bauernhof war, war er im Kölner Zoo. "Wir wohnten genau gegenüber und ich hatte ein Jahreskarte. Da muss ich Ihnen wohl nicht erzählen, wo ich den ganzen Tag war." Doch es war eben nicht das reine Betrachten der Tiere. Der Junge erkannte zum Beispiel schnell Gemeinsamkeiten bei Tieren, die der Laie auf Anhieb nicht in eine gedankliche Großfamilie stecken würde. Zum Beispiel Raben und Wölfe. Wieder blitzt es in den Augen von Günther Bloch, als er sagt: "Raben sind hochintelligent und haben viele Gemeinsamkeiten mit den Wölfen." Oder die Wildschweine! Oder die Luchse! Oder die Bären! Bei dem Thema muss er aber mal eben einen kleinen Akzent setzen: Er sei damals von Anfang gegen den Abschuss des Bären Bruno gewesen. Der Schuss sei auf jeden Fall die schlechteste aller Lösungen gewesen.

Noch einmal zurück zum Schüler Bloch. Wie waren denn seine Leistungen in Mathe und Chemie? "Grausam, ganz grausam," kommt es wie aus der Pistole, "aber in Biologie und Erdkunde, da gab es die Einser." Diese Konstellation hatte allerdings zur Folge, dass sein Vater, selbst Elektroingenieur, nicht mitspielte, als Bloch Förster werden wollte. "Er hat gesagt, dass ich dafür ziemlich gut rechnen können müsste. Und das konnte ich nun mal nicht."

Aber die zweite Lösung war dann auch nicht schlecht: Günther Bloch wurde Reisebürokaufmann, fand das sogar in der Lehre und auch die ersten Berufsmonaten spannend, dann aber eben schnell wieder eintönig. Also entschloss er sich zu einer beruflichen Kurskorrektur. Er passte fortan auf die Hunde von Leuten auf, die keine Zeit hatten, sich um ihre Vierbeiner zu kümmern. "Ich war damals der erste Dog-Sitter von Köln", dröhnt Bloch voller Stolz durch den Raum und freut sich noch im Nachhinein: "Ich hatte bis zu acht Hunde in meiner Wohnung!" Und so kamen die nächsten Ideen fast zwangsläufig. Er eröffnete in der Eifel eine Hundepension und war auch da wieder ganz an der Spitze einer Bewegung, denn die Blochsche Pension war die erste, in der die Gäste in Gruppenhaltung leben durften. Wohlgemerkt "durften", weil auf Wunsch natürlich auch "Einzelzimmer" zur Verfügung standen. Nicht selten mussten erst einmal im Gegensatz zu den Vierbeinern die Zweibeiner ihre Zweifel gegenüber dieser alternativen Wohnform ablegen.

Klappt das mit der Stimmung unter den Pensionsgästen denn nur deshalb so gut, weil sie ihn, Günther Bloch, als den Rudelführer ansehen, gar als den Alpha-Rüden? Jetzt macht es für einen Augenblick fast den Anschein, als spanne sich Wolf Bloch zum Sprung. Weil das nämlich eines seiner vielen Spezial- und Lieblingsthemen ist. Weil nämlich die meisten, die darüber reden würden, nicht wirklich wissen würden, worüber sie eigentlich wirklich reden. Da wird schnell das Bild vom Alpha-Rüden gezeichnet, der jeden Widersacher und Konkurrenten innerhalb und außerhalb des Rudels in Grund und Boden rammt und beißt, der grundsätzlich immer als erster fressen darf und seinen Mit-Wölfen nur lässt, was er nicht mehr will. "Alles Quatsch," sagt Bloch. "Rudel" könne er schon mal nicht hören, das sei schließlich ein "Familienverband". Und hier ging es auch nicht um das größte Durchsetzungsvermögen durch Kraft und Brutalität, sondern durch die Intelligenz: "Die Elterntiere haben eben einen Wissensvorsprung gegenüber der nächsten Generation." Und das mit dem Alpha-Rüden stimme schon mal gar nicht: "70 bis 80 Prozent der Familien, die wir beobachtet haben, werden von Weibchen geführt. Und wie in jeder Familie und in jeder Gruppe gibt es Freundschaften und Feindschaften. Unter den Rüden wie unter den Weibchen und auch noch gemischt."

Aber Hand aufs Wolfs-Herz: Ist denn der Wolf nun wirklich gefährlich? Mit so einer Frage darf man Günther Bloch eigentlich gar nicht erst kommen. Oder natürlich gerade! Denn jetzt läuft der Verhaltensforscher zu großer Form auf: Völlig selbstverständliche Wettbewerbsaggression (Kampf ums Futter) oder Paarungskonkurrenzen sind nur einige der Stichworte, die jetzt auf den Tisch kommen. Und natürlich auch noch der Hinweis, dass der Mensch eigentlich so gar nicht ins Beuteschema des Wolfes passt. Weil der Mensch nämlich dazu neigt, aus den Poren zu riechen - und das kann der gemeine Wolf eigentlich gar nicht haben. Wenn er nicht gerade Tollwut hat oder durch andere Umstände ein fragwürdiges Verhältnis zu Menschen hat, sieht Bloch kein Risiko: "Das wird alles maßlos übertrieben."

Natürlich könnten wir jetzt stundenlang über Wölfe reden, doch müssen wir auch irgendwie noch die Kurve zu den Hunden bekommen. Das Thema ist ja für den Fachmann nicht minder komplex und kompliziert. Betrachtet er die Entwicklung des domestizierten Hundes in Bezug auf den Menschen, so hat sich das Tier natürlich zu seinem Vorteil entwickelt. Sieht man es aus der tierischen Sicht, dann hat sich sein Leben derbe verschlechtert. Wieder bollert Bloch aufs Stichwort los: Maulkorbzwang, Hundeführerschein. "Diese Verdammung von ganzen Rassen ist hochgradig bedenklich", sagt er und räumt allerdings auch ein, dass es "Blutlinien gibt, die durchaus bedenklich sind". Damit meint er in erster Linie Züchtungen, die sich durch Schmerzunempfindlichkeiten auszeichnen. Wohl eine Grundvoraussetzung für unbremsbare Kamfmaschinen.

Auch auf die vorsichtige Frage nach der Bloch-Meinung zu Hundeausstellungen gibt es den zu erwartenden Klartext und diesen herrlich verständnislosen Blick, den Hunde haben, wenn sie nun gar nichts mit dem gerade gezeigten Verhalten ihres Zweibeiners anfangen können.
Was ist denn nun ein Hund für Günther Bloch? "Das ist ein vierbeiniger Lebensbegleiter, um den viel zu viel Aufhebens gemacht wird", sagt er und freut sich einen Stitz, dass seine Hunde mit wenigen Kommandos klarkommen. "Komm her!", "Nein!" und "Guck mich an!" - fertig ist das unkomplizierte Neben- und Miteinander.

Doch fast hätte es Günther Bloch vergessen. "Der Hund muss natürlich auch merken, dass man sich für ihn einsetzt, dass man fest an seiner Seite steht!" Ob er damit meint, dass man doch in Beißereien eingreifen soll und nicht auf den Satz vertrauen soll: Die regeln das schon unter sich!? "Jetzt passen's ma jod uf", kölscht Bloch: "Der Satz muss ja richtigerweise heißen: Hunde machen alles unter sich aus, wenn die Menschen auch die Selektion akzeptieren. Sagen Sie den Satz mal komplett. Da kommen die Leute aber ins Schlucken!"

Es hilft nichts, Günther Bloch muss gleich zu seinem Vortrag. Wir können nur noch kurz über sein Forschungsprojekt in Italien sprechen. In der Toskana untersuchen er und seine Mitarbeiter verwilderte Haushunde-Gruppen. Ganz kurz kann auch nur über eine wahrlich reife Leistung berichtet werden. Über 15000 Hund-Mensch-Beziehungen wurden von Bloch dokumentiert und analysiert.

In einem Nebensatz erzählt er dann plötzlich, dass das ja nur noch bis Herbst so laufen würde. Dann ginge er ohnehin für ganz nach Kanada. Und käme nur für Vorträge und Auftritte nach Deutschland. Irgendwie klingt so etwas wie Erleichterung und Zufriedenheit in seinen Worten. Und der Schluss erinnert dann auch ein wenig an den Anfang: Günther Bloch wird wohl mit seiner Frau ganz tief in den Wald gehen. Zu den Grizzlys, den Pumas und vor allem zu den Wölfen. Seinen Wölfen. Und wie der schwarze Timberwolf mit den goldenen Augen wird Günther Bloch nur rauskommen, wenn er den Menschen etwas zu sagen hat.

(11. Juli 2007)

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